Mai 182008
 

Kein Beruf ist mehr sicher, jeder kann alles, die Dilletanten haben das ungetrübteste Urteilsvermögen…in 5 Minuten professionell zur eigenen wohlmeinenden Rezension oder in 5 Minuten wohlmeinend zur eigenen professionellen Rezension

ist ja auch egal.
Jeder ist käuflich, wer zahlt sagt an und so erklärt sich dann auch die Tatsache, daß es soetwas wie Rezensionsmarketing gibt

Und dann liest sich da soetwas:

Autoren (und Verlage) können bei literaturmarkt.info ein Buch zur Rezension anmelden. Dafür wird eine Redaktionsgebühr erhoben (bis 300 Buchseiten € 150,00; für jede weitere Buchseite € 0,50). Das einzureichende Buchexemplar verbleibt in der Redaktion. Autoren und Verlag eines besprochenen Buchs können den Rezensionstext für ihre Buchwerbung frei zum Nachdruck etc. verwenden. Mit der Zahlung der Redaktionsgebühr erwerben Autor oder Verlag alle Rechte am Text, um ihn beliebig für die weitere Buchwerbung einzusetzen.

Bücher, die negativ zu rezensieren wären, werden nicht besprochen. Die Redaktion ist daher frei darin, den Auftrag zu einer Buchbesprechung abzulehnen. Wird eine Buchbesprechung abgelehnt, fällt die Redaktionsgebühr nicht an.

Tja, schlechte Rezensionen gibt es nicht, denn es ist ja auch scheißegal, ob das Buch gut oder schlecht ist, die Rezensenten-Mischpoke wird sich schon freundlich auslassen über den Schrott. Die Anforderungen an die Rezensenten sind natürlich auch formuliert, zu lesen als ODER und sicher nicht als UND-Verknüpfung:
Verfügen Sie über eine germanistische Ausbildung bzw. über literaturwissenschaftliche Erfahrung? Sind Sie an den Publikationen des aktuellen Buchmarktes interessiert? Haben Sie eine Meinung zu Büchern, die Sie lesen, und wollen diese einem großen Publikum vorstellen? Dann werden Sie Rezensent für literaturmarkt.info.

Interessantes Geschäftsmodell. Die Rezension kostet 150,00 EUR bis zu 300 Seiten, der Rezensent erhält 25,00 EUR. Aber vielleicht darf er dann das Besprechungsexemplar bei ebay verhökern, für ZVAB taugt das sicherlich nicht..

Schaut man sich dann die veröffentlichten Rezensionen an, erkennt man zwei Gruppen: Die Bücher aus den aktuellen bestsellerlisten, die woanders sicherlich kompetenter besprochen werden, schlag nach bei Perlentaucher, stehen neben den Exemplaren, die den Umweg über die Buchhandlung zum Modernen Antiquariat gar nicht zu nehmen bräuchten…

Da kann es dann schon mal passieren, daß zwei Bücher den gleichen Titel verpaßt bekommen… und nein, die Besprechung des ersteren brauchen Sie gar nicht aufzurufen, da dreht sich Ihnen wohl der vielleicht noch ein wenig wohlgesinnte Magen um ..

Dummes Zeug

Im Hamburger Abendblatt findet sich auch eine Besprechung dieses merkwürdigen Dienstes (sonst hätte ich den Literaturmarkt.info auch gar nicht entdeckt),  und der Rezensent findet dann zum Schluß auch noch eine besonders mißglücktes, oder kann man sagen, gelungene?, Besprechung:

So gesehen ist Qualität keine Frage der Kreativität mehr, sondern eine des Kontostands. Dabei kommt dann so was heraus: “Zwischen diesen beiden Seiten einer Medaille wandert XY gekonnt in ihrem ersten Gedichtband.” Für ein so formschön verunglücktes Bild könnte man eigentlich Eintritt verlangen, dann wären die 150 Euro schnell wieder drin. 

Bewußt…

 gehypter Scheiß  Kommentare deaktiviert
Apr 252008
 

Die Dame, die mir im Zug von F/M nach HH gegenübersaß, in Windeseile die aktuelle ZEIT durchlas und jede Seite einfach auf den Boden fallen ließ, ebenso die MacDonalds-Tüte, die eine Salat-Portion enthalten hatte, diese Dame holte dann einen dicken Packen Papier auf den Tisch, und begann diesen Packen zu redigieren / lektorieren / korrekturzulesen…

Als sie den Platz zum Telefonieren verließ, warf ich einen Blick auf die Titelzeile der Blätter, neugierig geworden ob des doch bekannten Layouts,. und siehe da: die Dame las das Werk “Bewußt Trauern für Dummies” Korrektur.

Trauern für Dummies

Ein klarer Fall für buchbestattung.de

Was ein Scheiß!